Tropenwälder – einzigartig und vielgestaltig

Undurchdringliches Grün, Regen satt und die heimlichen Augen des Jaguars – was wir zunächst mit dem Stichwort Tropenwald verbinden, ist häufig nur ein sehr kleiner Teil der realen Verhältnisse. Die Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus: Ganz anders - aber auch viel spannender und vielfältiger als unsere Phantasie!

Sommer wie Winter: Immer schön warm!
In den tropischen Regionen rund um den Äquator gibt es keine Jahreszeiten, wie wir sie aus Mitteleuropa kennen. Ein Tag dauert – egal ob Sommer oder Winter – immer etwa zwölf Stunden. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind oft geringer als die zwischen Tag und Nacht. Man spricht vom sogenannten „Tageszeitenklima“. Höhe und Häufigkeit der Niederschläge bestimmen hier die Aktivitätsrhythmen von Pflanzen und Tieren – ganz anders als bei uns, wo Temperaturen und Photoperiode entscheidend sind.

geographische Unterschiede
Tropische Regenwälder gibt es in Mittel- und Südamerika, Afrika, Südostasien und Australien. Zwar unterscheiden sie sich in ihrem Artenbestand, doch sind Waldstruktur und Ökologie in allen Gebieten ähnlich. Der typische tropische Tieflandregenwald ist nur bis in eine Höhe von ca. sechshundert bis tausend Meter über dem Meeresspiegel anzutreffen. Darüber wird er von Bergregenwäldern und Nebelwaldformationen abgelöst.

verschiedene Vegetationstypen
Nicht überall in den Tropen trifft man auf dichte Wälder! Fällt zu wenig Regen, machen sich statt dessen Savannen, Dorngehölze, Grasländer oder Hitzewüsten breit. In Gebieten mit ausgeprägtem Wechsel zwischen Regen- und Trockenperioden werfen Bäume und Sträucher ihre Blätter während der langen Dürrezeiten ab.

Diese sogenannten Trocken- oder Monsunwälder machten ursprünglich immerhin ein Drittel aller Tropenwälder aus. Sie sehen den typischen tropischen Regenwäldern mit ihren Lianen und krautigen Aufsitzerpflanzen zwar ähnlich, die ungünstige Wasserbilanz zeigt sich jedoch in einer geringeren Stammhöhe, einer dickeren Borke und kleineren Blättern. Die Biomasse und Produktivität der tropischen Trockenwälder liegt deutlich unter der tropischer Regenwälder.

In den immerfeuchten tropischen Regenwäldern fällt reichlich und regelmäßig Regen; lange Trockenperioden fehlen. Immergrüne Pflanzen aus den verschiedensten Familien konkurrieren hier um Licht und Nährstoffe. Im Durchschnitt finden sich sechzig bis einhundert Baumarten auf einem Hektar Wald – in Mitteleuropa sind es gerade einmal zwölf!

Dieses Mosaik aus Bäumen, den Aufsitzerpflanzen und klimmenden Palmen, den Baumwürgern, dichten Moosen und herabhängenden Flechten schafft einen Lebensraum, der so reich an ökologischen Nischen ist wie kein anderer auf unserer Erde – das ist die Voraussetzung für seinen einzigartige Artenreichtum.

unerreichte Artenvielfalt
Von allen terrestrischen Lebensgemeinschaften besitzt der tropische Regenwald die größte Artenvielfalt und beheimatet möglicherweise genauso viele Pflanzen- und Tierarten wie alle anderen terrestrischen Biome zusammen. Als Grund für diesen Reichtum wird die Vielschichtigkeit seiner Vegetation diskutiert. Buschwerk und Bäume scheinen sich in zahlreiche verschiedene Stockwerke zu gliedern. Vor allem in der Kronenregion der Urwaldriesen fühlen sich viele Bewohner des tropischen Regenwaldes besonders wohl.

Die Diversität der tropischen Regenwälder nimmt wissenschaftlichen Erhebungen zu Folge von den zentralen Bereichen zur Peripherie hin ab. Sie unterscheidet sich von Kontinent zu Kontinent. Die höchste Artenfülle wurde für den amazonischen Regenwald registriert, während Afrika die geringste Vielfalt aufweist.

Für die Entstehung dieses Artenreichtums ist sicher aber auch die Geschichte von Bedeutung. Viele Regenwälder dieser Erde existieren schon seit vielen Millionen Jahren, andere sind wesentlich jünger. Dort wo Eiszeiten auftraten, schrumpften sie zusammen, um sich anschließend, unter den günstigeren Witterungsverhältnissen der Interglazialen, wieder auszudehnen. Die damit einhergehende Isolation in einzelne Waldinseln begünstigte die Evolution unterschiedlicher Arten.


der tropische Regenwald – ein empfindliches System

Wasserkreislauf
Etwa die Hälfte der in den Regenwäldern fallenden Niederschlagsmengen verdunstet sofort über die großen Blätter der sonnenhungrigen Vegetation. Das Wasser kehrt als Dampf in die Atmosphäre zurück, um dann schon bald erneut als kräftiger Schauer abzuregnen. Kommt es zur Abholzung, wird dieser Wasserkreislauf empfindlich gestört. Ohne die geschlossene, hochproduktive Pflanzendecke verdunstet viel weniger Regen als zuvor. Die Niederschläge verringern sich oder werden unregelmäßig. Die Bäume sidn jedoch aufgrund ihres oberflächigen Wurzelsystem auf häufigen Regen angewiesen und können keine längere Trockenzeit überstehen. Ein Niedergang des tropischen Regenwaldes ist die Folge - auch wenn einzelne Waldparzellen vor der direkten Zerstörung durch Abholzung verschont bleiben.

Nährstoffkreislauf
Vor allem in den feuchten Tropen unterscheidet sich der Wald von dem der nördlichen gemäßigten Zone. In Regionen mit kalten Jahreszeiten liegt ein großer Anteil der organischen Substanz und der verfügbaren Nährstoffe im Humus oder im Sediment fest. In den warmen Tropen befindet sich ein viel größerer Anteil davon in der Biomasse, d. h. vor allem im Vegetationskörper der Pflanzen. In einer Reihe biologischer Anpassungen wird er beständig und schnell innerhalb des Systems umgesetzt.

optimale Nutzung der begrenzten Nährstoffe
Das Wurzelnetz des tropischen Regenwaldes ist extrem dicht und flach. So können die Bäume fast unmittelbar die wenigen verfügbaren Nährstoffe aufnehmen, die durch den schnellen Abbau toter organischer Substanz frei werden. Der Boden dient deshalb weniger zur Ernährung des Waldes, wie wir es aus unseren Breiten kennen, als vielmehr zur mechanischen Befestigung. Die mächtigen Brettwurzeln einiger Urwaldriesen zeugen davon ...

Folgen der Zerstörung
Wird ein Wald der gemäßigten Zone abgeholzt, behält der Boden weitgehend seine Nährstoffe und Strukturen und kann über viele Jahre bebaut werden. Der Winterfrost hilft, die Nährstoffe festzulegen und Krankheiten und Parasiten zu unterdrücken. In den tropischen Wäldern dagegen zerstört die Abholzung die Fähigkeit des Bodens, die Nährstoffe festzuhalten und Schädlinge zu bekämpfen. Die vorhandenen Nährstoffe gehen sehr schnell durch Auswaschung und Erosion verloren. Deshalb sind landwirtschaftlicher Anbau kurzlebiger, einjähriger Pflanzen für tropische Gebiete oft gänzlich ungeeignet.


Von Artenreichtum nichts zu sehen?

geringe Bestandsdichten
Wer die Gelegenheit erhält, einen tropischen Wald zu besuchen, ist oft erst einmal enttäuscht: Von der vielbeschworenen Artenfülle ist weit und breit nichts zu sehen. Kaum ein bunter Vogel und nur mit viel Glück eine gefährliche Schlange oder ein größeres Säugetier. Das einzige, was sich in rauen Mengen findet, sind Ameisen oder Termiten.

Wie kann das sein? Artenreichtum bedeutet noch lange keine hohe Bestandsdichten. Viele Pflanzen- und Tierspezies sind auf einer großen Fläche mit nur wenigen Individuen vertreten. Wer mehr sehen will, muss sich in die schwindelnden Höhen der Baumkronen empor wagen, denn ein großer Teil der Tiere verbringt sein Leben in den oberen Schichten der Vegetation.

Forscher versuchen das Phänomen der geringen Bestandsdichte von Tier- und Pflanzenarten der Tropenwälder durch die wenigen frei verfügbaren Nährstoffe zu erklären. Tatsächlich könnte dies ein Grund dafür sein, warum trotz der idealen Klimaverhältnisse viele Tiere des tropischen Waldes etliche Jahre brauchen, bis sie ihr Adultstadium und damit die Geschlechtsreife erreichen. Gleichzeitig haben sie oft - anders als ihre Vettern in den gemäßigten Breiten - eine sehr geringe Fortpflanzungsrate.


Warum tropische Wälder schützen?

Großer Artenreichtum und eine Fülle ganz unterschiedlicher Anpassungstypen bei gleichzeitiger Seltenheit sind charakteristisch für die Bewohner tropischer Wälder. Grund dafür könnte das knappe und schwer nutzbare Ressourcenangebot sein; viele Nährstoffe sind in der üppigen Vegetation gebunden. Wird das empfindliche Gleichgewicht dieser Wälder an einer Stelle gestört, so hat das verheerende Folgen für das gesamte System. Eine Wiederbewaldung zum ursprünglichen Waldtyp ist oft unmöglich.

Ursprünglich waren einmal zwölf Prozent der weltweiten Landfläche von tropischem Regenwald bedeckt. Mittlerweile ist weit mehr als die Hälfte davon durch Menschenhand zerstört. Besonders tragisch ist der daraus resultierende Verlust an biologischer Diversität. Die tropischen Wälder werden schneller vernichtet, als ihre Bewohner taxonomisch und ökologisch erfasst werden können.

Möglicherweise zerstören wir mit diesen Wäldern wichtige aktuelle und potentielle Ressourcen für Medikamente und Nahrungsmittel. Wir vernichten einen genetischen Pool an Wildpflanzen und –tieren, der unsere Kulturformen erhalten und verbessern könnte. Nicht zuletzt kann eine großflächige Zerstörung der tropischen Vegetation zur globalen Klimaveränderung beitragen.

Traditionell im und vom Tropenwald lebende Menschen haben seit Jahrtausenden die Wälder und ihre Vielfalt geehrt, genutzt und in der Regel langfristig erhalten. Mit ihrem traditionellen Wissen erkannten sie Wert und Nutzungsmöglichkeiten einer Vielzahl von Pflanzen und Tieren für Ernährung und Medizin, Baustoffe und Kleidung, für Aroma und Genuss. Seit dem 20. Jahrhundert müssen jedoch tropische Wälder zunehmend weichen, wo wirtschaftliche Interessen diese Überlegungen dominieren. Es gilt deshalb immer auch den Menschen, die mit und von ihrem Land leben müssen, eine alternative Perspektive zu geben.


Engagement von TROPICA VERDE e.V.

Bereits seit 1989 engagiert sich der Verein TROPICA VERDE e.V. erfolgreich für den Schutz tropischer Lebensgemeinschaften. Besonderes Gewicht liegt dabei auf der engen Kooperation mit lokalen Umweltgruppen im Partnerland Costa Rica. Durch diese Zusammenarbeit konnten bisher zahlreiche Projekte zum Erhalt der einzigartigen mittelamerikanischen Flora und Fauna durchgeführt werden, von denen immer auch die einheimische Bevölkerung profitierte.

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