Wald- und Artenschutz in Maquenque,

einem Brutgebiet des Großen Soldatenaras

 

Der ursprüngliche Lebensraum im Verbreitungsgebiet der Großen Soldatenaras wurde bereits zu 90 % zerstört. In Costa Rica haben nur 35 Brutpaare überlebt.

Urwälder am Rio San Juan durch Holzeinschlag und
Ananasanbau bedroht

In den letzten Jahrzehnten hat Costa Rica über die Hälfte seiner ursprünglichen Waldbedeckung verloren. Viehweiden, Bananen- und Ananasplantagen sind an ihre Stelle getreten. Auch im Kanton Sarapiqui, der sich von der Zentralkordillere bis zur nicaraguanischen Grenze erstreckt, gibt es nur noch im Bergland und nahe dem Grenzfluss Rio San Juan größere Urwaldflächen. Nur noch hier existiert  die ursprüngliche, sehr hohe Artenvielfalt der atlantischen Tieflandregenwälder im Norden Costa Ricas. Jaguar und Tapir haben hier ihre Rückzugsgebiete. Bis zu 140 Baumarten pro Hektar wurden nachgewiesen.

 

Symbol dieses Naturreichtums und seiner Bedrohung wurde der Große Soldatenara (Ara ambiguus, span. Lapa Verde). Etwa 70 Paare umfasst die letzte Population in Costa Rica, die die in den hartholzigen Stämmen des Almendro (Dipteryx panamensis) vorhandenen natürlichen Baumhöhlen für ihr Brutgeschäft nutzt. Die reifen Früchte dieser Urwaldriesen bilden eine wichtige Nahrungskomponente der Aras, die einen anspruchsvollen Nahrungsbedarf haben und auf der Suche nach reifen Früchten jahreszeitliche Wanderungen durchführen.

Großpapageien der Art Ara ambiguus kamen ursprünglich von Mittelamerika bis in das nordwestliche Südamerika vor. In weiten Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes ist der „Lapa Verde“ heute ausgestorben. Akut bedroht ist er durch Wilderei (insbesondere von Jungvögeln, die illegal an skrupellose „Vogelliebhaber“ verkauft werden), vor allem aber den Holzeinschlag  und die neuerdings sich ausbreitenden Ananasplantagen.

Da das Überleben dieser faszinierenden Vögel nur durch die Erhaltung ihres Lebensraums gesichert werden kann, stellen sie für die Erhaltung der Urwälder am Rio San Juan und ihrer hohen Biodiversität eine Leitart („umbrella-species“) dar.

„Wenn der Lapa Verde verschwindet, könnten auch wir in einem Meer der Armut untergehen.“
Manuel Rodriguez, Umweltminister von Costa Rica, 2003

 

Projektsteckbrief

Ulíses Aleman überwacht mit regelmäßigen Patrouillengängen die Reserva Lapa Verde

Projektziel

Erhalt des Maquenque-Schutzgebietes mit dem Brutgebiet des Großen Soldatenaras (Ara ambiguus)

Beitrag von TROPICA VERDE e.V.

Erwerb und Schutz von Primärwaldflächen, Finanzierung von Umweltbildungsmaßnahmen

Projektbedarfe

  • Im Norden Costa Ricas soll neuer Wohnraum für Aras geschaffen werden. Nutzen Sie unseren Betterplace-Aufruf für Ihre Spende.
  • Patrouillengänge zum Schutz der Soldatenaras – 190€ pro Monat
  • Umweltbildung in der Region

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Schutzmaßnahmen

Anfang der 1990er Jahre entstanden erste Initiativen lokaler Naturschutzorganisationen mit dem Ziel, die Wälder am Rio San Juan unter Schutz zu stellen. 2001 bildete sich das Exekutivkomitee des Biologischen Korridors San Juan-La Selva (CBSS), in dem lokale und regionale Naturschutzorganisationen, Kommunen und das Umweltministerium ein Konzept eines solchen Korridors erarbeiteten. Er soll, als costaricanischer Teil des mesoamerikanischen biologischen Korridors, die ca. 3000 Quadratkilometer große Reserva Indio Maiz in Nicaragua mit dem in der Zentralkordillere Costa Ricas gelegenen Nationalpark Braulio Carrillo verbinden. Der etwa 600 Quadratkilometer umfassende nördliche Teil des Korridors San Juan-La Selva, in dessen Kernzone auch die noch vorhandenen Primärwälder am Rio San Juan liegen, wurde als zukünftiger Nationalpark Maquenque konzipiert.

Da dieses Vorhaben wegen fehlender staatlicher Mittel zur Entschädigung der Grundbesitzer scheiterte, wurde schließlich im Mai 2005 das ursprünglich als Nationalpark vorgesehene Gebiet zum staatlichen Schutzgebiet Refugio Nacional de Vida Silvestre Mixto Maquenque erklärt, das als sog. „refugio mixto“ auch privaten Landbesitz im Schutzgebiet zulässt. Das Exekutivkomitee sah eine seiner Hauptaufgaben darin, die Ausweisung der im Schutzgebiet liegenden Primärwälder, des Brutgebiets des Großen Soldatenaras, als „zona de protección absoluta“ , also als allein der Erhaltung bedrohter Arten und Ökosysteme vorbehaltene Kernzone zu erreichen.

 

Engagement von TROPICA VERDE e. V.

Die ersten Kontakte mit dem Projekt Maquenque ergaben sich 1997 durch die Bekanntschaft mit Alexander Martinez, der sich seit 1985 mit großem Engagement als ehrenamtlicher Ranger für die Erhaltung der bedrohten Natur seiner Heimat, besonders des Soldatenaras, einsetzt. Ihm verdankt TROPICA VERDE e. V. viele für unsere Naturschutzarbeit wichtige Kontakte und Informationen, und auch ganz konkrete Hilfe bei Besuchen des Projektgebiets.

Schon 1999 konnte TROPICA VERDE e. V. einen ersten Schritt zur Sicherung der Kernzone des Maquenque-Gebiets an der Laguna Tambor durch den Erwerb einer kurz vor der Abholzung stehenden 103 Hektar großen Urwaldfläche tun. Die „Reserva Lapa Verde“ wird über regelmäßige Patrouillengänge durch Ulises Aleman überwacht.

TROPICA VERDE e. V. arbeitet eng mit dem Exekutivkommitee des Biologischen Korridors San Juan – La Selva, vor allem mit Alexander Gonzalez vom Centro Cientifico Tropical (CCT) zusammen. Mit dem verbindet uns die Überzeugung, dass der Schutz der Natur nur für und mit den dort lebenden Menschen erfolgreich sein kann. Daher haben Umweltbildungsmaßnahmen als Voraussetzung der Beteiligung der Bevölkerung am Projekt hohe Priorität. So hat TROPICA VERDE e. V. seit 2004 mit Zuschüssen der Manfred-Hermsen-Stiftung und der Stadt Frankfurt am Main das Projekt durch Finanzierung von Workshops in Costa Rica und den an das Projektgebiet angrenzenden Waldgebieten Nicaraguas unterstützt. An einigen Workshops nahmen auch Vereins- und Vorstandsmitglieder von TROPICA VERDE e. V. teil. In den Jahren 2008 und 2009 konnte durch Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Weiterentwicklung des Binationalen Biologischen Korridors El Castillo-San Juan-La Selva entscheidend unterstützt sowie vorangetrieben werden. Durch eine groß angelegte Öffentlichkeitskampagne konnte auf die bedrohten Wälder sowie den seltenen, charismatischen Großen Soldatenara aufmerksam gemacht werden. Im Rahmen von intensiver Bildungsarbeit gelang es, ein Netzwerk von Schülern aus dem Projektgebiet aufzubauen und die Schüler für eine aktive Unterstützung für den Erhalt des Großen Soldatenaras und seine natürliche Umwelt zu gewinnen.

Außerdem hat Tropica Verde den sechsmal jährlich erscheinenden Newsletter „Hoja de Almendro“ finanziert , der die Bevölkerung über Naturschutz allgemein sowie den Fortgang des Maquenque- und Araschutzprojekts im besonderen informierte. 2006 konnte mit Spenden von Mitgliedern und Förderern eine für die kontinuierliche Arbeit des Exekutivkomitees dringend erforderliche Bleibe in Gestalt eines im Projektgebiet gelegenen kleinen Hauses erworben werden.

Heutige Situation der Großen Soldatenaras in Costa Rica
Was wir wissen und was nicht

Seit über 20 Jahren unterstützt Tropica Verde den Schutz der Großen Soldatenaras (Ara ambiguus) in Costa Rica. Diese große Papageienart ist durch den Verlust von Wäldern, ökologischen Verbindungsflächen, Ausweitung der Ananas-Plantagen und dem Verschwinden der für sie lebensnotwendigen Almendro-Bäume, stark bedroht.

Großer Soldatenara beim Landeanflug. Diese großen Papageien haben eine Flügelspannweite von bis zu 120 cm. Außerhalb der Brutzeit legen die Vögel für die Nahrungssuche bis zu 150 km zurück. (Foto: ©Stefan Rother/Faunity)

Tropica Verde schützt 3 verschiedene Primär- und Sekundärwaldflächen, die von den Großen Soldatenaras regelmäßig auf ihren Wanderungen besucht werden: Die Reserva Lapa Verde nahe der Nicaraguanischen Grenze, die Reserva Kinkajou nahe dem Braulio Carrillo Nationalpark und die Reserva Finca Curré nahe der Panamaischen Grenze an der Atlantikküste. Während die Reserva Finca Curré mit ihrem sehr alten Primärwald ein Rückzugsgebiet für solche Aras darstellt, die aus einer Aufzuchtstation ausgewildert wurden (lokale, isolierte Population von ca. 25 Vögeln, Stand 2018), stellen die Reserva Kinkajou und Reserva Lapa Verde bedeutende Habitate für die natürliche, wilde Ara-Population im Norden Costa Ricas dar.

 

Gemeinsam mit unserem Partner Alexander Gonzalez von der costaricanischen Organisation CCT (Centro Cientifico Tropical) und dem lokalen Naturschützer Ulises, der unser nördlichstes Schutzgebiet regelmäßig kontrolliert, versuchen wir, regelmäßig einen aktuellen Überblick über die Situation der Aras zu erhalten. Besonders wichtig sind kürzlich durchgeführte, aufwändige Feldstudien zur Populationsgröße. Diese wurden im April und Oktober 2019 gemeinsam von CCT und dem Macaw Recovery Network mit der Unterstützung von mehr als 50 Freiwilligen aus verschiedenen Ländern realisiert.

Alex Gonzalez (links, CCT) & Michael Ott (Tropica Verde) diskutieren die Wanderrouten der Aras in Costa Rica.
(Foto: ©Stefan Rother/Faunity)

Martin Scholz & Stefan Rother (links & rechts) übergaben in 2018 ein gespendetes Quad an Senor Ulises für das regel-mäßige Kontrollieren der Reserva Lapa Verde.      (Foto: Alex Gonzalez, ©Stefan Rother/Faunity)

Die letzte Zählung im Oktober 2019 fand gleichzeitig an 16 verschiedenen, bekannten und gut vorbereiteten Übernachtungsplätzen der Vögel statt. Diese erstreckten sich über eine große Region im Norden Costa Ricas, wie die beigefügte Karte mit den einzelnen Beobachtungsplätzen zeigt. Über 4 aufeinanderfolgende Tage wurden 34 Zähleinheiten durchgeführt. Auch das neue Tropica Verde Schutzgebiet Reserva Kinkajou wurde inkludiert, und erfreulicherweise wurden in einer Zählung 13 Aras gesichtet, was die Bedeutung des Gebiets unterstreicht.

Die Karte vom Norden Costa Ricas zeigt die Übernachtungsplätze der Großen Soldatenaras, die für die letzte Zählung im Oktober 2019 ausgewählt worden waren. Der Name “Yatama” steht für die Lokalisierung der Reserva Kinkajou von Tropica Verde.
(©Die Karte wurde freundlicherweise von Alex Gonzalez vom CCT zur Verfügung gestellt)

Wenn sämtliche besten Schätzungen der einzelnen Sektoren zusammengezählt werden, ergibt sich eine derzeitige Gesamtzahl von 169 Vögeln. Dies ist eine etwas höhere Zahl als in 2018, aber die Übernachtungsplätze unterschieden sich, und die Daten sind daher nicht direkt vergleichbar. Die letzte Zählung im Oktober 2019 zeigte auf jeden Fall, dass mit weniger Freiwilligen und noch besser vorbereiteten Beobachtungs-Spots eine effizientere Zählung möglich ist. Da nicht alle Übernachtungsplätze der Aras gleichzeitig erfasst werden konnten, muss die Zahl von 169 Vögeln somit als aktuelle Minimumanzahl der Population in Costa Rica erachtet werden.

 

Diese Erfahrungen und Ergebnisse sind bedeutsam für zukünftige Zählungen. Die Organisationen CCT and Macaw Recovery Network sind zuversichtlich, auf dieser Basis bis 2022 detailliertere und genauere Daten zur Situation der Großen Soldatenaras in Costa Rica erfassen zu können.

Zusammenfassung: Die natürliche Population der Großen Soldatenaras in Costa Rica bleibt sehr vulnerabel mit einer Mindestgröße von nur ca. 170 Vögeln. Zumindest zeichnet sich eine einigermaßen stabile Bestandsgröße über die letzten 10 Jahre ab. Die Art bleibt aber nach wie vor stark bedroht.

Der Schutz von ursprünglichen Primärwäldern und artenreichen Sekundärwäldern in Kombination mit dem Erhalt biologischer Korridore sind überlebensnotwendig für die Großen Soldatenaras und viele weitere Tier- und Pflanzenarten in Costa Rica.

Die Großen Soldatenaras, lokal auch Lapas verdes genannt, zählen zu den am stärksten bedrohten Vogelarten Lateinamerikas. Auf ihren Flugrouten von Nord nach Süd suchen sie nach ihren Lieblingsbäumen, zu denen neben den Almendros vor allem Monkey Pot, Titor-Baum und Sand-büchsenbaum zählen. Diese Baumarten werden aktiv auf der Reserva Kinkajou angepflanzt.  (Foto: ©Stefan Rother/Faunity)

Tropica Verde und seine lokalen Partner in den verschiedenen Schutzprojekten bemühen sich seit mehreren Jahrzehnten mit Erfolg um den Erhalt und die Wiederaufforstung solcher artenreichen Habitate. Unterstützen Sie uns weiterhin dabei!

 

Autoren: Dr. Stefan Rother (Tropica Verde) mit freundlicher Unterstützung von Alexander Gonzalez (CCT). Weitere Informationen und Bildmaterial gibt es unter www.faunity.ch/blog sowie unter www.cct.or.cr. (Stand 27.Juli 2020)