Von Anfang Oktober 2018 bis Ende März 2019 reiste ich auf der Suche nach Projekten zum Regenwaldschutz und -aufforstung mit Rucksack durch Costa Rica und Panama. Menschen, die ich auf meiner Reise getroffen habe, erzählten mir von  Tropica Verde. Deshalb habe ich recherchiert und Kontakt zu Stefan Rother, aufgenommen, der unter anderem für Tropica Verde viel in Costa Rica unterwegs ist und mir von dem neuen Projekt Kinkajou berichtet hat.

So bin ich eines Nachmittags nach abenteuerlicher Anfahrt mit dem geübten Fahrer und netten Gastgeber Pedro an  der Yatama-Lodge angekommen. Wo vor 15 Jahren noch Kuhwiese war, sind die einfachen Cabanas nun von üppigem Sekundärwald umgeben. Pedro hatte einst seine Wohnung in San Jose gegen dieses Land getauscht und ist heute mit Recht stolz auf den Wald, der hier inzwischen wächst und die Tiere, die wieder eingezogen sind nachdem er viele Bäume gepflanzt hat. Die Cabañas, den gemütlichen Gastraum und die Holzstegwege dazwischen hat er zu 60% aus dem Holz gebaut, das durch die vorherige Abholzung auf den Kuhwiesen zu finden war.

Auf der Reserva Kinkajou können Gäste einige Wanderwege durch den Wald und spannende Tag- und Nachttouren mit dem Gastgeber selbst oder seinem Guide erleben. So bestaunte auch ich nach leckeren und reichhaltigen Abendessen  auf den Nachttouren  Frösche, Schlangen, Insekten und den süßen Kinkajou, der der Namensgeber des neuen Schutzgebiets von Tropica Verde ist.
Regelmäßig bin ich um 5:30 Uhr mit der allmorgendlichen Natursymphonie zur Reserva gelaufen, die an das Gebiet von Pedro und den Nationalpark Braulio Carillo grenzt. Ich war entsetzt zu sehen, dass hier eigentlich alles abgeholzt ist. Auf sehr vereinzelt stehenden Bäumen kreischten die grünen kleinen Papageien zum Sonnenaufgang und ich weinte. Auf dem überwiegend gerodeten Nachbargrundstück steht ein Holzhaus aus bestem Holz, das vor kurzem noch bewohnt gewesen zu sein scheint. Davor hängen ein winziger selbst gebauter Vogelkäfig aus Drahtgeflecht sowie eine Papageienstange, auf der ehemals Papageien mit gestutzten Flügeln lebten. Es war erschütternd zu sehen und der traurige Anblick hat mich tief berührt.

Pedro erzählte mir später, dass hier ein Holzfäller wohnte, der dem ehemaligen Landbesitzer folgendes angeboten hat: Er schlägt das Holz, verkauft es, und davon kann er dann das Land kaufen und für Landwirtschaft nutzen. So hat er alles abgeholzt, sich ein Haus gebaut, das Holz auf eigene Rechnung verkauft und den Verkaufserlös behalten. Hinterlassen hat er leider größtenteils verwüstetes Land, und den Tieren dort wurde viel Lebensraum genommen. Dieses großteils abgeholzte aber immer noch ökologisch wichtige Biokorridor-Grundstück wurde nun durch den Kauf von Tropica Verde unter Schutz gestellt und ist heute die Basis für das Wiederaufforstungsprojekt „Reserva Kinkajou“.

Später lernte ich eine Familie aus San Francisco kennen, die die Reserva Kinkajou auch am Vortag besucht hatte. Grant, 10 Jahre, erzählte mir stolz, dass er sein Taschengeld einsetzt, um in diesem Gebiet wieder Wald zu pflanzen. Er bekommt von seinen Eltern 9$ Taschengeld: 3$ zum Ausgeben, 3$ zum Sparen und 3$ zum Geben. Er möchte das Geld zum Sparen und Geben einsetzen, um 25 Bäume wieder dort zu pflanzen, wo sie abgeholzt wurden. Auf meine Frage, warum er das tut, gab er mir die Antwort:

“Damit die Tiere wieder die Bäume als zu Hause haben und von Wald zu Wald ziehen können”.

Außerdem hat er mir eine Liste mit 54 Tierarten, die er an nur zwei Tagen in Pedros Wald gesehen und ein Bild von ihnen gemalt hat gezeigt. Seine Schwester Jillian, 7 Jahre, fügte noch hinzu: “Dass das Land der Tiere zerstört worden ist und wieder repariert werden muss”.

Danke an die Einsichtigen, Weitsichtigen und alle SpennderInnen !!!

Prof. MA Dipl.-Ing. Tina Kitzing, Beuth Hochschule für Technik Berlin, Fachbereich: Veranstaltungstechnik und -management, Fach: Veranstaltungsgestaltung, sammelte als Kind beim jährlichen Spendenaufruf der Schule bei den Nachbarn Geld für den Regenwald in Costa Rica. Weil die Spendendose immer voll war und sie am meisten gesammelt hatte, gab es einen Buchpreis und die Wahl viel immer auf ein Fotobuch mit vielen fantastischen Tieren des Regenwaldes. Die Natur hat sie schon immer fasziniert und vor 10 Jahren, also mit 40, ist sie endlich nach Costa Rica gereist. Als sie in Monteverde den Regenwald der Kinder (Bosque des los ninos) besucht hat, stand dort ein Schild, dass dieser Regenwald besteht, weil Kinder weltweit seit den 80er Jahren dafür sammeln. Das hat sie tief berührt und so setzt sie sich seitdem aktiv für Regenwaldschutz und -aufforstung ein und möchte dies auch ihren Studierenden und den nächsten Generationen vermitteln. Jetzt ist sie ein Semester auf Forschungsreise.